Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. Darüber hinaus gehören wir, neben vielen weiteren Gemeinden, einem Landesverband an.


Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow – Müncheberg,

an diesem Sonntag feiern wir Pfingsten. Das dritte große Fest im kirchlichen Jahreskalender.

Dieser Tage sah ich eine Umfrage, die aussagt, dass die meisten Deutschen nicht mehr wissen, was Pfingsten bedeutet. Wie geht es Dir mit diesen Feiertagen? Zwei Tage Pfingsten feiern – was feierst Du?

Lesen wir den zu Pfingsten gehörenden Bibeltext in Apostelgeschichte 2 , so staunt man nicht schlecht über die aufregenden Ereignisse an jenem ersten Pfingsttag. Dieses Ereignis geschah 50 Tage nach Ostern. Wieder finden wir im Hintergrund ein wichtiges jüdisches Fest, zu dem gläubige Juden nach Jerusalem pilgerten, um zu opfern und zu feiern. Das Schawuot, auch Wochenfest, wurde zu Beginn der Weizenernte gefeiert. Es ist ein Fest großer Dankbarkeit. Gedankt wird für die Ernte und die Thora - Gottes Wort. Details dazu finden sich unter anderem im 5. Mose 16

Wir Christen feiern an Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes. Jener Kraft aus der Höhe, die Jesus seinen Jüngern versprochen hat: Ich aber werde die Kraft aus der Höhe auf euch herabsenden, wie mein Vater es versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr damit ausgerüstet werdet.«. Lukas 24,49 

  • Diese Kraft formt aus uns andere Menschen: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Timotheus 1,7.
  • Schier nicht in Worte zu fassen ist, dass dieser Geist, die an Jesus glaubenden Menschen in alle Wahrheit leitet. Das macht uns nicht fehlerfrei, sondern die Kraft des Geistes Gottes begleitet uns mit Langmut und hilft uns immer wieder auf dem Weg der Jesusnachfolge zu bleiben. Gottes Geist begleitet uns Schritt für Schritt durch unser ganzes Leben.
  • Lehrt uns, was Jesus gefällt und will uns vor Sünde bewahren. Johannes 16 13 – 15: „Doch wenn der ´Helfer` kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen. Denn was er sagen wird, wird er nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er hört. Und er wird euch die zukünftigen Dinge verkünden. 14 Er wird meine Herrlichkeit offenbaren; denn was er euch verkünden wird, empfängt er von mir. 15 Alles, was der Vater hat, gehört auch mir. Aus diesem Grund sage ich: Was er euch verkünden wird, empfängt er von mir.«

Das ist, was uns die Apostelgeschichte von den Jüngern berichtet. Die durch die Ereignisse verunsicherten und ängstlich gewordenen Jünger - „waren alle wieder an demselben Ort versammelt“ (Vers 1), sie tun, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Bleibt in Jerusalem und wartet! Warten kann kreativ sein. Warten kann schrecklich sein. Warten kann voll Erwartung sein. Ich kann mir vorstellen, es war bei den Jüngern ein Mix aus allem.

Jetzt, wo Jesus seit Himmelfahrt nicht mehr unter ihnen ist, gibt es viele Zukunftsfragen zu klären. Wie könnte es auch anders sein. Sind sie doch alle Menschen mit Gefühlen und Empfindungen wie Du und ich.

Wo könnten sie alle gewartet haben? In einem Haus? In einem Garten? Vielleicht waren sie auch mitten unter den Festgästen und haben das wichtige Schawuot-Fest gefeiert. Etwas Vertrautes in einer für sie unsicheren Zeit. Mit vertrauten Gebeten und bekannten Liedern Gott loben und danken, für das tägliche Brot und für die Thora, Gottes Wort.  

Vertraute Gebete, Psalmen und Lieder sind bis heute Balsam für jede verängstigte und aufgewühlte Seele. Sie sind vergleichbar mit einer Brücke, die eine Verbindung herstellt zu dem, der uns zusagt: „Siehe ich bin bei Euch alle Tage eures Lebens“ (Matthäus 28,20).

In diese Situation hinein macht Jesus seine Verheißung wahr. Gottes Geist in Form von kleinen Flammen wird sichtbar über den Köpfen der Jünger. Die eigentlich Hebräisch und Aramäisch sprechenden Männer haben auf nicht erklärbare Weise die Fähigkeit, in den Sprachen der angereisten Festpilger zu sprechen. Mindestens 15 verschiedene Sprachgruppen erwähnt die Apostelgeschichte. Ein unglaubliches Erlebnis. Eine den Verstand verwirrende Angelegenheit. Etwas, das jedem Anwesenden den Atem verschlägt. Was mag sich in den Köpfen der Zuschauenden alles abgespielt haben. Einen kleinen Einblick gewährt uns hier die Apostelgeschichte, was hat das zu bedeuten fragten die Einen. Die sind betrunken, sagten Andere.

In Wirklichkeit geht in Erfüllung, was Jesus verheißen hat. Gottes Geist wird ausgegossen über allen, die an Jesus glauben und sie werden befähigt, Botschafter Jesu zu sein. Das sind die an Jesus glaubenden Menschen bis heute.

So laden wir Christen durch unsere Lebensart und unsere Lebensüberzeugung, durch Wort und Tat, Mitmenschen ein, ebenfalls Botschafter Jesu zu werden.

Dem Fischer Petrus gelingt es am Pfingsttag, der versammelten Festversammlung glaubwürdig und überzeugend Jesus als den von Gott gesandten Erlöser vorzustellen. Eindringlich erklärt er anhand  der Heiligen Schrift, dass Jesus der von Gott verheißene Messias ist.
Petrus erlebt, dass durch ihn geschieht, wozu er von Jesus beauftragt ist: “Du bist Petrus, der Fels, und auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen (Matthäus 16,18). Das ist was der Geist Gottes auch in Deinem Leben wirkt.
Gabe und Aufgabe werden sichtbar, die Jesus für Dich bereit hat. Das waren damals und heute nicht nur Gaben, die Menschen in den Mittelpunkt rücken. Oftmals sind es Fähigkeiten, die kaum wahr genommen werden von Mitmenschen oder die für selbstverständlich gehalten werden. Ist es die Aufgabe, die Dir Jesus zugedacht hat, so tue sie von Herzen und mit großer Dankbarkeit. Du bist in diesem Dienst Botschafter/in Jesu. Rückt Dich deine Aufgabe in den Mittelpunkt der Gemeinde oder gar in die Öffentlichkeit, sei dankbar bei jedem Lampenfieber und vertraue darauf, Jesus gibt Dir, was du brauchst, um Ihn auch in dieser Aufgabe zu Ehren.

Jesusnachfolge wird geübt und trainiert, so wie jeder Sportler seine Sportart übt und trainiert. Was für diesen das Stadion ist, ist für den Christen die Gemeinschaft der Christen in der Gemeinde.

Das Ergebnis der Predigt des Petrus bringt bis heute jeden Pastor/in zum Staunen – 3000 Menschen folgen dem Aufruf zur Umkehr und Jesusnachfolge. Lesen wir Apostelgeschichte 2,37-42:  37 Die Zuhörer waren von dem, was Petrus sagte, bis ins Innerste getroffen. »Was sollen wir jetzt tun, liebe Brüder?«, fragten sie ihn und die anderen Apostel. 38 »Kehrt um«, erwiderte Petrus, »und jeder von euch lasse sich auf den Namen von Jesus Christus taufen! Dann wird Gott euch eure Sünden vergeben, und ihr werdet seine Gabe, den Heiligen Geist, bekommen. 39 Denn diese Zusage gilt euch und euren Nachkommen und darüber hinaus allen Menschen auch in den entferntesten Ländern – allen, die der Herr, unser Gott, zu seiner Gemeinde rufen wird.« 40 Mit diesen und noch vielen anderen Worten bezeugte Petrus ihnen ´das Evangelium`; eindringlich ermahnte er sie: »Diese Generation ist auf dem Weg ins Verderben! Lasst euch retten vor dem Gericht, das über sie hereinbrechen wird!« 41 Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen.

Pfingsten ist also die Geburtsstunde der weltweiten Kirche. Seit Pfingsten blieben die Jünger nicht mehr in Jerusalem, sondern sie folgen dem Auftrag Jesu – gehet hin in alle Welt. Die Grafik von Seidel versucht dieses Gehen darzustellen. Gesandte auf dem Weg zu den Rufenden und Wartenden. Bist Du dabei?

Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest und bleibt gesund!

Inge Clausonet

Müncheberg, 28.5.20


 

Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow – Müncheberg!

Ganz herzlich möchte ich Euch zum Wochenende grüßen mit Psalm 18, 19 b – 33

Doch der Herr gab mir Halt und Sicherheit. 20. Er führte mich aus der Not in den weiten Raum der Freiheit, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte. 21. So handelte der Herr an mir, denn ich hatte nach seinem Willen gelebt. Weil meine Hände rein waren von aller Schuld, hat er mir Gutes vergolten. 22. Denn ich achtete auf die Wege des Herrn und hielt mich an sie; ich habe mich nicht von meinem Gott losgesagt. 23. Alle seine Rechtsbestimmungen standen mir vor Augen, seine Vorschriften habe ich nicht verworfen. 24. Ich hielt mich mit ungeteiltem Herzen an ihn, ich hütete mich davor, schuldig zu werden. 25. Da belohnte der Herr mich dafür, dass ich nach seinem Willen lebte. Denn in seinen Augen waren meine Hände rein von aller Schuld. 26. Wer dir treu ist, dem bist auch du treu. Wer sich ganz zu dir hält, dem bleibst du zugewandt. 27. Dem, der sich rein hält von Schuld, begegnest du aufrichtig. Wer jedoch hinterhältig ist, dem stellst du dich quer. 28. Denn du rettest ein von Not gebeugtes Volk, aber Menschen mit hochmütigem Blick erniedrigst du. 29. Du, Herr, du lässt mein Licht erstrahlen, du, mein Gott, erleuchtest meine Finsternis. 30. Denn mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen, mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. 31. Was für ein wunderbarer Gott! Vollkommen ist sein Weg. Das Wort des Herrn ist rein. Ein schützender Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen. 32. Wer ist denn Gott außer dem Herrn? Und wer könnte ein Fels sein als allein unser Gott? 33. Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet, der mir hilft, auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Bei diesen Psalmversen hat mich der Vers 26 besonders angesprochen. „Wer dir treu ist, dem bist du auch treu. Wer sich ganz zu dir hält, dem bleibst du zugewandt“. Eine gewaltige Aussage. Der Psalmist gewährt uns einen Einblick in seine Herzensüberzeugung. Zutiefst ist er davon überzeugt, in jeder Lebenssituation ist Gott dem nahe, der sich zu ihm bekennt. Lesen wir die Historienberichte der Bibel über den König David, der diesen Psalm verfasst hat, erkennen wir, er erlebte Gutes, kannte Versuchung und Anfechtung. Musste sich wie wir entscheiden, will ich dem Wort Gottes folgen oder folge ich dem Weg der Sünde. Ihm blieb es ebenfalls nicht erspart sich eingestehen zu müssen, dass er falsche Entscheidungen getroffen hat. Er erlebte Vergebung seiner Sünde und Schuld. Fasziniert von der Güte und Barmherzigkeit Gottes verfasst er dieses Erleben in Psalmgebeten und Lieder. Gott stellte ihm Freunde und Propheten als Ratgeber zur Seite, die so wie er die Treue Gottes bezeugen. Höhen und Tiefen gehörten bei David zum Lebensalltag wie zu unserem Glaubensalltag. Eines erstaunt mich an David immer wieder, seine unerschütterliche Treue gegenüber Gott. Diesen Punkt aus dem Leben von David will ich mir zum Vorbild nehmen – in jeder Lebenssituation Gott treu sein!

Infos:

  • Der Gottesdienst morgen wird aufgezeichnet und kann ab Montag auf der Homepage angesehen werden.
  • Am Montag trifft sich die Gemeindeleitung und berät unter anderem über die Form der weiteren Gottesdienste. Anregungen zu diesem Thema dürfen gerne an die Mitglieder der Gemeindeleitung übermittelt werden. So können diese mit in die Beratung einfließen.
  • Vergessen wollen wir nicht füreinander zu beten. Beten wollen wir auch für die Entscheidungsträger unserer Städte und unseres Landes.

Allen wünsche ich ein gesegnetes Wochenende und bleibt gesund!

Inge Clausonet

Müncheberg, 23.5.2020


 

Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow-Müncheberg!

Es sind schon zwei Monate, dass das Coronavirus unseren ganzen Gemeindealltag durcheinander wirbelt. Trotz einiger Lockerungen ist es noch nicht möglich, die Türen für Veranstaltungen wie Bibelstunde, Seniorenstunde, Taufgespräch oder Willkommenskreis zu öffnen. Doch wir dürfen wieder Gottesdienste feiern! Allerdings mit Einschränkungen. Wie lange werden uns diese Maßnahmen begleiten? Welche kreativen Lösungen bieten sich für unsere Gemeinde, damit alle Platz finden? Keine Mitglieder und keine Gäste sollen sich ausgeladen fühlen.

Der morgige Sonntag „Rogate“ – Betet! - er lenkt unseren Blick in die Richtung, wo garantiert Hilfe und eine Antwort zu finden sind. Bei unserem Gott und Heiland Jesus Christus!

Das folgende Gebet lässt sich gut als Wechselgebet beten.

Vater unser.

Du bist unser Vater, dir verdanken wir unser Leben. Dir sagen wir, worauf wir hoffen, wonach wir uns sehnen, wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.

Wir hoffen darauf, dass deine Liebe die Welt verwandelt. Verwandle uns, damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.

Wir sehnen uns danach, dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen. Schaffe deinem Frieden Raum, damit die Sanftmütigen das Erdreich besitzen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Wir fürchten uns davor, dass Leid und Krankheit kein Ende haben. Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Nicht nur uns, auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, die vor den Trümmern ihres Lebens stehen und die sich vor der Zukunft fürchten. Du bist die Quelle des Lebens, verbanne den Hunger.

Führe uns nicht in Versuchung.

Dein Wort ist das Leben. Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut. Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit. Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen.

Öffne unsere Augen, damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen. Lass uns dem Bösen widerstehen und befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Du rufst uns beim Namen. Du siehst uns – wo wir auch sind, am Küchentisch, in der Kirche, in unseren Kammern. Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage. In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.

Und beten mit seinen Worten:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Am heutigen Sonntag wird es aus unserer Gemeinde keinen Videogottesdienst geben. Wenn alles klappt, gibt es einen zu Himmelfahrt. Ebenfalls an Himmelfahrt wird ein Bundesgottesdienst mit anschließendem Referat ausgestrahlt. Beides ist sehr empfehlenswert.

Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag und bleibt gesund!

Inge Clausonet Müncheberg,17.5.20

 


Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow- Müncheberg,

was geht nur in diesem Kopf vor?!

Was spielen sich dort für Geschichten ab und welche Lebenserfahrungen sind in diesem Gehirn gespeichert?

An welche Ereignisse erinnert sich dieser Kopf so, dass diese nicht wie ein geordnetes Muster erscheinen, sondern als ein schwer zu ordnendes Puzzlespiel, von dem er sich mit einer Gasmaske zu schützen sucht?

Diese Grafik ist das letzte Werk von Herbert Seidel und hat den Titel „Antlitz“. Sie stand druckfertig auf einer Staffelei, als sein Kurator nach Seidels Tod dessen Atelier betrat.

Ist sie eine graphische  Aufarbeitung seines eigenen Lebens? Sein Geburtsjahr 1909 bezeugt: Er hat zwei Weltkriege erlebt. Den ersten als Kind. Den zweiten als Soldat an der Front. Nach dessen Ende war er Kriegsgefangener unter einer alliierten Streitmacht.

Sein späteres künstlerisches Schaffen führte Seidel in die Ghettos von Warschau und in die Erinnerungsstätten der Vernichtungslager des Hitlerregimes.

Vor wenigen Tagen jährte sich das Ende dieser Schreckensherrschaft zum 75. Mal. Mindestens drei Generationen Menschen leben inzwischen in unserem Land, die dieses weltweite Schreckensereignis nur noch aus Erzählungen kennt.

Was für ein Vorrecht, 75 Jahre Frieden in Deutschland. Was für ein gnädiges Handeln Gottes an unserem Volk, das Furcht und Schrecken auf der ganzen Welt verbreitet hat. Redlich verdient der Friede? Bestimmt nicht! Für mich ein gnädiges Handeln unseres großen Gottes. Über dieses gnädige Handeln Gottes staunte schon der Psalmist:

8 Barmherzig und gnädig ist der Herr, er gerät nicht schnell in Zorn, sondern ist reich an Gnade. 9 Nicht für immer wird er uns anklagen, noch wird er ewig zornig auf uns sein. 10 Er handelt an uns nicht so, wie wir es wegen unserer Sünden verdient hätten, er vergilt uns nicht nach unseren Vergehen. 11 Denn so hoch, wie der Himmel über der Erde ist, so überragend groß ist seine Gnade gegenüber denen, die ihm in Ehrfurcht begegnen. 12 So fern, wie der Osten vom Westen ist, soweit schafft er unsere Vergehen von uns fort. 13 Wie ein Vater seinen Kindern voller Güte begegnet, so begegnet der Herr denen, die ihm in Ehrfurcht dienen. Psalm 103,8-13

Herr Seidel ist in dieser schrecklichen Zeit durch das Glaubenszeugnis eines Mitgefangenen selbst Christ geworden.

Eines seiner ersten Werke wirft einen Blick auf den erbärmlichen Zustand der Menschen in jener Tage. Doch mitten im Geschehen – Jesus, der gekreuzigte Heiland. Hier kommen wir zum Kern der heutigen Predigt: Wie relevant ist unser Glaubenszeugnis? Das Deinige und das Meinige. Bezeugt es die Barmherzigkeit Gottes, die du erlebst? Gott lädt durch Jesus Christus auch heute jeden Sünder ein. Er will nicht den Tod des Sünders, Gott will, dass der Mensch von Vergebung hört und sie findet.

Denn er möchte nicht, dass irgendjemand verloren geht; er möchte vielmehr, dass alle ´zu ihm` umkehren.“ 2. Petrus 3,9

Den Willen Gottes benennt die Bibel unmissverständlich. Die Frage, die sich daraus ergibt: Wie will Gott dieses Ziel auf dieser Erde erreichen bei vielen Milliarden Menschen? Selbst diese Frage ist in der Bibel beantwortet. So lesen wir schon im  Alten Testament: Ihr seid meine Zeugen spricht der Herr, und mein Knecht, den ich erwählt habe, auf dass ihr wisset und glaubt und versteht, Dass ich es bin.“ Jesaja, 43,10

Was damals die Israeliten waren, sind heute diese Menschen, die der Botschaft Jesu glauben. Ja, du bist es, der die Botschaft der Erlösung und der Vergebung in diese Welt  hinein trägt.

Du bist Zeuge für das wertvollste und kostbarste Geschenk, das einem Menschen widerfahren kann, das ist die Einladung Jesu: Folge mir nach!“ Markus 10,21

Was sind die Aufgaben eines Zeugen?  Er erzählt, was er gesehen hat. Er gibt mit Worten weiter, was er erlebt hat. Er gibt seine Herzensüberzeugung preis.

Anhand der Entwicklung einer Grafik zum Thema „Auferstehung“ von Seidel will ich den Entwicklungsprozess  der Jesusnachfolge  etwas verdeutlichen:

Die Ursprüngliche Zeichnung  (links oben) ist eine Momentaufnahme aus der Gefangenschaft.

Sie offenbart die ganze  Verzweiflung der Abgebildeten und gibt einen Einblick in die menschlichen Abgründe.  Doch mitten im Geschehen der Gekreuzigte, der unsere Sünde mit seinem Leben am Kreuz bezahlt hat und etwas seitwärts dargestellt der Heiland, der das Kreuz trägt. Es könnte dieser wichtige Moment  im Leben eines Menschen sein, wenn er erkennt: Jesus ist da zu finden, wo ich bin. Der, der meine Sünden ans Kreuz getragen hat, wendet sich nicht ab von mir, er wendet sich mir zu. Er ist im Geschehen meines Lebens.

Ab dem dritten Arbeitsschritt erscheint das Menschliche abstrakt und rückt den Erlöser in den Mittelpunkt. Es sieht aus, als würde der Kunstschaffende erkennen, die Sünden  dieser Welt werden wir nicht los, allerdings wer seinen Blick auf Jesus richtet, für den wird der Schmutz dieser Welt unwichtig. Ja, er fällt von ihm ab.

Der Blick dessen, der Jesus nachfolgt, ist auf diesen gerichtet. So geht es den Jesusnachfolgern:  Alles,  was die Bibel als Sünde bezeichnet, werden wir Christen nicht aus dieser Welt verbannen. Doch durch den Blick auf Jesus richten wir uns auf das aus, wovon Jesus sagt: Das tut!

Der Apostel Paulus hat in seinen Briefen an die christlichen Gemeinden zusammengetragen,  was Jesus an den Seinen liebt und was ihm missfällt. So steht in Galater 5,16 und folgende: „Was will ich damit sagen? Lasst den Geist ´Gottes` euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben. 17 Denn die menschliche Natur richtet sich mit ihrem Begehren gegen den Geist ´Gottes`, und der Geist ´Gottes` richtet sich mit seinem Begehren gegen die menschliche Natur. Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern, dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt. 18 Wenn ihr euch jedoch vom Geist ´Gottes` führen lasst, steht ihr nicht mehr unter ´der Herrschaft` des Gesetzes. 19 Im Übrigen ist klar ersichtlich, was die Auswirkungen sind, wenn man sich von der eigenen Natur beherrschen lässt: sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, okkulte Praktiken, Feindseligkeiten, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Rechthaberei, Zerwürfnisse, Spaltungen, 21 Neid, Trunkenheit, Fressgier und noch vieles andere, was genauso ´verwerflich` ist. Ich kann euch diesbezüglich nur warnen, wie ich es schon früher getan habe: Wer so ´lebt und` handelt, wird keinen Anteil am Reich Gottes bekommen, dem Erbe, das Gott für uns bereithält.

Die Frucht, die der Geist Gottes hervorbringt, das ist, was Gott gefällt. Sie wächst, wenn wir Jesus folgen.

22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches ´Verhalten` hat kein Gesetz etwas einzuwenden. 24 Nun, wer zu Jesus Christus gehört, hat seine eigene Natur mit ihren Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. 25 Da wir also durch ´Gottes` Geist ein ´neues` Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen. 26 Wir wollen nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein

Für was entscheidest du dich?  Willst du Zeuge der Botschaft des auferstandenen Jesus sein? Die  weitere Entwicklung der Arbeitsabschnitte zeigt, dem Kunstschaffenden war nur eines wichtig: Jesus. Alles Menschliche wird sich nach ihm ausrichten und auf den Tag der Auferstehung hoffen.  Die Bibel spricht davon, dass es diesen Tag geben wird, an dem sich alles nach Jesus ausrichtet.

Von dieser Auferstehungssehnsucht lesen wir im Römerbrief:

Römer 8,18-28,

18 Im Übrigen meine ich, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen, wenn wir an die Herrlichkeit denken, die Gott bald sichtbar machen und an der er uns teilhaben lassen wird. 19 Ja, die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden. 20 Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, allerdings ohne etwas dafür zu können. Sie musste sich dem Willen dessen beugen, der ihr dieses Schicksal auferlegt hat. Aber damit verbunden ist eine Hoffnung: 21 Auch sie, die Schöpfung, wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird. 22 Wir wissen allerdings, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen. 23 Und sogar wir, denen Gott doch bereits seinen Geist gegeben hat, den ersten Teil des künftigen Erbes, sogar wir seufzen innerlich noch, weil die volle Verwirklichung dessen noch aussteht, wozu wir als Gottes Söhne und Töchter bestimmt sind: Wir warten darauf, dass auch unser Körper erlöst wird.  24 Unsere Errettung schließt ja diese Hoffnung mit ein. Nun ist aber eine Hoffnung, die sich bereits erfüllt hat, keine Hoffnung mehr. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon ´verwirklicht` sieht? 25 Da wir also das, worauf wir hoffen, noch nicht sehen, warten wir unbeirrbar, ´bis es sich erfüllt`. 26 Und auch der Geist ´Gottes` tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein; er bringt das zum Ausdruck, was wir mit unseren Worten nicht sagen können. Auf diese Weise kommt er uns in unserer Schwachheit zu Hilfe, weil wir ja gar nicht wissen, wie wir beten sollen, um richtig zu beten. 27 Und Gott, der alles durchforscht, was im Herzen des Menschen vorgeht, weiß, was der Geist ´mit seinem Flehen und Seufzen sagen` will; denn der Geist tritt für die, die zu Gott gehören, so ein, wie es vor Gott richtig ist. 28 Eines aber wissen wir: Alles trägt zum Besten derer bei, die Gott lieben; sie sind ja in Übereinstimmung mit seinem Plan berufen.

Zurück zu unserem Kopf. Entdecke darin, was du willst, er kann euch gefallen oder auch nicht. Doch was dein Leben betrifft, triff eine Entscheidung. Die Einladung Jesu steht und sie gilt heute: Folge mir nach. Amen

Allen, die heute nicht in Gottesdienst kommen können, wünsche ich einen gesegneten Sonntag.

Inge Clausonet

Müncheberg, 9.5.20


 

Liebe Mitglieder und Freunde der Gemeinde Buckow – Müncheberg,

beim Betrachten der Grafik „Werden“ von Herbert Seidel wurde ich an meine Schulzeit erinnert und an ein Gedicht, das ich als Schülerin auswendig lernen musste. Ich zitiere:

Alles fügt sich und erfüllt sich, musst es nur erwarten können

und dem Werden deines Glückes Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürst

und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führst.

Christian Morgenstern
(1871 – 1914)

 

Die Grafik erinnert mich ebenso an ein beliebtes Frühlingslied: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land.“ Dort heißt es am Ende einer Strophe: Doch Wachstum und gedeihen liegt in des Schöpfers Hand. Es ist Frühling, überall blüht es, selbst in der hintersten Ecke sprießt frisches Grün. In den Gärten gibt es neben den ersten Blumen frische Kräuter und mancherorts schon Salat und Spinat.

Wie dankbar waren wir für den Regen der letzten Tage und wir dürfen hoffen, dass uns unser Schöpfer noch einige Regenwolken nach Ostbrandenburg schickt.

Allzu deutlich zeigt sich dieses Jahr, schon im April, wir können das Feld bestellen, wir können säen, wir können hegen und pflegen, doch regnen lassen können wir es nicht. Auf Wachstum und Gedeihen haben wir keinen Einfluss. Die frühe Trockenheit im Jahr stimmt nachdenklich. Und die Frage, die sich stellt: Gibt es ein Gedeihen in diesem Jahr? Erwartet uns eine nächste Dürre wie 2018? Was wird werden? Bei allem ökologischen, biologischen und technischen Wissen, müssen wir uns eingestehen, auf diese Frage fällt eine Antwort schwer.

Für jeden an Jesus Christus glaubenden Menschen heißt es jetzt, die Hände falten und aus Sorge um die diesjährige Ernte ein Gebet formulieren. Da gilt es, dem zu Vertrauen, in dessen Hand das Gedeihen liegt, unserm himmlischen Vater.

Jesus erzählt im Markusevangelium eine Beispielgeschichte, in der er das Thema Gedeihen aufgreift. Ich lese: Kapitel, 4,26-29:

26 »Mit dem Reich Gottes«, so erklärte Jesus weiter, »ist es wie mit einem Bauern, der die Saat auf seinem Acker ausgestreut hat. 

27 Er legt sich schlafen, er steht wieder auf, ein Tag folgt dem anderen; und die Saat geht auf und wächst – wie, das weiß er selbst nicht. 

28 Ganz von selbst bringt die Erde Frucht hervor: zuerst die Halme, dann die Ähren und schließlich das ausgereifte Korn in den Ähren. 

29 Sobald die Frucht reif ist, lässt er das Getreide schneiden; die Zeit der Ernte ist da.«

Die hellen Linien in der Grafik, sie könnten verschiedene Formen von Gedeihen darstellen. Beides, Wachstum und Gedeihen, ist ein Geschehen, das durch die unterschiedlichsten Prozesse angeregt wird. Sie alle ergänzen einander und unterstützen sich gegenseitig. Ich, Mensch, als Betrachter dieses Geschehens muss meine Rolle als Zuschauer akzeptieren. Bleibt uns das Hegen und Pflegen. Damit können wir das Werden unterstützen. Viele von uns verstehen sich gut im Umgang mit Nutz-und Zierpflanzen und freuen sich über jeden einzelnen Wachstumsschritt bis zur Ernte.

Dieses uns Menschen vertraute Geschehen in der Natur wendet Jesus auf das Reich Gottes an. Teil dieses Reiches sind wir, die wir an Jesus Christus glauben. Der Text wendet sich ganz persönlich an dich und mich und zeigt uns ein Bild vom eigenen Wachsen und Reifen bis wir in der himmlischen Heimat ankommen.

Wächst und gedeihst Du im Glauben?

Hegst und pflegst du dein Leben in der Jesusnachfolge?

Wie kann ich denn meinen Glauben pflegen?

Durch das Hören auf Gottes Wort. Dieses mit allen Sinnen verinnerlichen, damit was Jesus lehrt, ein prägendes Element in der eigenen Lebensgestaltung ist und immer wieder neu wird.

Wie das frische Wasser für eine Pflanze elementar zum Wachsen und Gedeihen ist, so ist die Beschäftigung mit dem Wort Gottes eine elementare Form von Hegen und Pflegen des eigenen Glaubens.

Mit in die Rubrik: Wachstum fördern gehört das Gebet. Geistliche Lieder und die Gemeinschaft mit an Jesus glaubenden Menschen. So reifen und wachsen wir in jeder Herausforderung, die das Leben an uns stellt und kommen täglich der Ernte unseres eigenen Lebens einen Schritt näher. Gedeiht dein Glaube prächtig?! Prüfe dich anhand der Heiligen Schrift und komme zu einem ehrlichen Ergebnis.

Jesus ist da, vertraue ihm! Er ist bei uns durch sein Wort. Das lesen wir in Hebräer 12,1-3: Wir sind also von einer großen Schar von Zeugen umgeben, deren Leben uns zeigt, dass es durch den Glauben möglich ist, den uns aufgetragenen Kampf zu bestehen. Deshalb wollen auch wir – wie Läufer bei einem Wettkampf – mit aller Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt, 2 und unseren Blick auf Jesus richten, den Wegbereiter des Glaubens, der uns ans Ziel vorausgegangen ist. Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich, und auch die Schande, die damit verbunden war, konnte ihn nicht abschrecken. Deshalb sitzt er jetzt auf dem Thron im Himmel an Gottes rechter Seite. 3 Wenn ihr also in der Gefahr steht, müde zu werden, dann denkt an Jesus!

Amen

Ich wünsche ein gesegnetes Wochenende und bleibt gesund!

Inge Clausonet

Müncheberg.1.5.20


 

Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow- Müncheberg!

In diesem uns allen so bekannten Gleichnis Lukas 10,25-37 stellt Jesus dem fragenden Gesetzeslehrer die Frage: Wer handelt als Mitmensch? Dieser überlegt und gibt zur Antwort: „der Erbarmen mit ihm hatte und ihm geholfen hat.“

Was ist ein Mitmensch? Aus dem gelesenen Text zeigt sich, was Jesus damit meint. Ein Mitmensch ist jemand, der auf das Ergehen eines anderen Menschen reagiert.

Er sieht diesen, er hört dessen Stimme, er „stolpert“ eventuell über ihn. Er erkennt seine Notsituation.

Beim Betrachten der Grafik vom Barmherzigen Samariter von Herbert  Seidel (sein Kurator Herr Stachat erlaubt uns die Nutzung der Grafik) frage ich mich, welche Gedanken haben den Künstler bewegt, dass er eine Figur mit einem Buchstabenzettel in der Hand darstellt. Soll er die „To-do-Liste“ des Priesters oder die des Leviten darstellen? Wie viele Punkte könnten darauf gestanden haben und in welcher Relevanz?

Das führt mich zur nächsten Frage: Gibt es etwas Wichtigeres für einen Menschen, als die Not eines Mitmenschen zu lindern? Was geht mir durch den Kopf, wenn mir im Alltag etwas Vergleichbares begegnet? Lass ich es zu, dass meine Tagesplanung durchkreuzt werden könnte? Was ist mir dabei eine Entscheidungshilfe? Welchem Maßstab vertraue ich? Wovon lasse ich mich dabei beeinflussen? Was muss ich tun, um im Sinne Jesu ein Mitmensch zu sein?

Diese Frage lässt sich leichter auflösen, wenn wir den Beginn des Bibeltextes nochmals anschauen. Außer Acht lasse ich die unredliche Art des Fragenden.

Jesus nimmt ihn dennoch ernst und an der Entwicklung des Gesprächs wird deutlich, dass für Jesus das gelebte erste Gebot nicht darin seine Erfüllung findet, dass der Glaubende  seinen Wortlaut rezitieren kann oder mit Worten und kultischen Ritualen seine Liebe zu Gott ausdrückt. Die aufrichtige Liebe zu Gott, von der im ersten Gebot die Rede ist, spiegelt sich in der Liebe zum Nächsten. Der Evangelist Johannes formuliert es im 1.Johannesbrief 4,20+21so:

 „Wenn jemand behauptet: »Ich liebe Gott!«, aber seinen Bruder oder seine Schwester hasst, ist er ein Lügner. Denn wenn jemand die nicht liebt, die er sieht – seine Geschwister – , wie kann er da Gott lieben, den er nicht sieht? 21 ´Denkt an` das Gebot, das Gott uns gegeben hat: Wer Gott liebt, ist verpflichtet, auch die Geschwister zu lieben.“

Jesus ist in seiner Aussage gegenüber dem Gesetzeslehrer sehr eindeutig. Wer die Ewigkeit bei Gott verbringen will, legt das Fundament im Hier und Jetzt, in dieser Welt!

Was ist ein Gesetzeslehrer? Einer, der das Alte Testament lehrt und dieses in die Gesellschaft hinein vertritt. Das damalige Israel war geprägt von den Lehrüberzeugungen religiöser Gelehrter jener Tage. Das waren die Priester, Leviten und Gesetzeslehrer. Sie lehrten und gestalteten den religiösen Canon für die an den Gott der Bibel glaubenden Juden. Ihre Lehraussagen legten das Fundament für richtig und falsch im Handeln. Sie prägten das religiöse Gewissen. Gesetzeslehrer waren Menschen mit großer Verantwortung und sie genossen ein hohes Ansehen im Volk. Immer wieder lesen wir in den Evangelien, dass sie in der Gefahr standen, trotz ihres Wissens über die Gebote Gottes, unbarmherzig zu werden im Umgang mit ihren Mitmenschen. Jesus greift diese Thematik oft auf.  In diesem Gespräch mit dem Gesetzeslehrer legt Jesus diesem sein Verständnis vom ersten Gebot aus. Jesus rügt sein Bibelwissen nicht, Jesus zweifelt nicht an seiner Ernsthaftigkeit, er macht ihm keine Vorschläge für die rituelle Ordnung der religiösen Feste. Jesus zeigt ihm auf, wo die Gefahr besteht, trotz allem Wissen einen falschen Weg einzuschlagen. Und das ist in diesem Gespräch die Menschlichkeit.

Von der ersten bis zur letzten Seite spricht die Bibel von dem endlosen Erbarmen Gottes mit uns Menschen. Das seinen Höhepunkt findet im Erlösungstod Jesu auf Golgatha. Sie lehrt uns, die Erlösten spiegeln die selbst erfahrene Barmherzigkeit Gottes im barmherzigen Umgang mit ihren Mitmenschen wider.

In der erzählten Beispielgeschichte fehlt es den Priestern und Leviten an Menschlichkeit. Um den schwerverletzten Reisenden machten sie einen Bogen. Sie schauten mit sehenden Augen weg. Sie wollten sein Rufen nicht hören. Sie waren nicht bereit innezuhalten!

Für Jesus ein „no go“! Seine Zuhörer sollen das begreifen! Wir müssen das begreifen! Wer aus der Gnade Gottes lebt, für den ist ein barmherziger Umgang mit seinen Mitmenschen ein Muss.

 Das meint nicht die Augen verschließen vor Unrecht oder Sünde. Es meint, sich klar vor Augen halten, dass das eigene Leben von der Barmherzigkeit Gottes abhängig ist, die Jesus uns kundgetan hat. Dieses barmherzige Handeln Gottes in unserem Leben soll die Basis sein, auf der wir Entscheidungen treffen. Sonst wird es nichts mit der Ewigkeit bei Gott.

Das wollte der fragende Gesetzeslehrer von Jesus ja wissen, was er tun soll, um das ewige Leben zu erhalten. Die Antwort Jesu ist eindeutig. Sei ein Mitmensch!

In der Erzählung des Evangeliums ist es ein Samariter, der das begriffen hat und der Zeit und Geld einsetzte, um dem fremden Verletzten zu helfen.

Die Samariter waren ein Mischvolk und hatten wenig Ansehen im alten Israel. Doch dieser belächelte Mensch hat das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes begriffen. Sein Handeln ist ein Spiegel seiner Überzeugung. Unsere Zeit heute braucht solche Menschen, deren Handeln die Barmherzigkeit Gottes spiegelt. Bist Du einer von ihnen? Sei einer von ihnen!  Amen.

Liebe Grüße, Gott segne Euch und bleibt gesund.

Inge Clausonet

Müncheberg, den 24.4.20


 

Liebe Geschwister und Freunde der EFG Buckow- Müncheberg,

wieder ist eine Woche vorbei ohne eines unserer gewohnten Treffen in der Gemeinde. Eine Woche ohne Besuche von außer Haus wohnenden Kindern, Verwandten und Freunden. Wie lange noch?! Wir wissen es nicht.

Mir geht es in dieser Situation so, dass ich meine, die Situation der Jünger nach Ostern besser begreifen zu können. Die Zeit mit Jesus vor Karfreitag ist vorbei. Die Zeit nach Ostern und das Zusammensein mit Jesus in jenen Tagen, schwer zu verstehen. Die Aufgaben, auf die Jesus seine Jünger drei Jahre vorbereitete, irgendwie noch nicht greifbar. Kein Wunder, dass Thomas Zweifel plagten und er handfeste Beweise will. Johannes 20,19-29 Dem Bericht der zehn Jünger kann er nicht vertrauen. Illusorisch ist für ihn ihre Erzählung von der Auferstehung. Ist dieses Begehren von Thomas nicht Ausdruck von einer totalen Verunsicherung? Hat nicht mancher von uns ähnlich empfunden in den letzten Wochen mit den Corona-Verordnungen? Vertrautes ist weg. Die Realität unwirklich. Die Zukunft liegt im Ungewissen.

Solche Verunsicherung macht auch vor uns Christen nicht halt. Die Frage, die sich stellt: Was gibt mir Halt? Trägt der Glaube an Jesus Christus in dieser schwierigen Zeit? Hat die Kraft des Wortes Gottes Zugang zu meinen Sinnen? Aus Gesprächen mit meist hochbetagten Glaubensgeschwistern kann ich berichten, dass auswendig gelernte Bibelverse und Kirchenlieder diese in schweren Zeiten in ihrem Denken und Handeln prägte und sie so Kraft und Trost fanden, in schweren Zeiten und in den Herausforderungen ihres Alltag.

Was mag Thomas so verunsichert haben? Das Sterben Jesu? Die Auferstehung Jesu? Die Angst vor der Zukunft? Alles zusammen? Die Bibel erzählt uns, wie Jesus auf die Verunsicherung des Thomas reagierte: „Reiche deine Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite.“ Thomas bekommt eine extra Lehreinheit von Jesus, damit er glauben kann. Eine ganz persönliche und individuelle, die er versteht. Die ihm hilft, seinen Wirrwarr im Kopf, der möglicherweise durch Wissen, Erleben und Fragen entstand, aufzulösen. Wie sehr muss Jesus Thomas schätzen und lieben, um ihm so zu begegnen?

Die Antwort: So sehr, dass Jesus ein ganz besonderes Erlebnis für Thomas bereit hält, das ihm hilft, seine Zweifel zu überwinden.

Das darf dir und mir in unseren Zweifeln heute Mut machen. Jesus wird sich auch uns so zuwenden, dass wir glauben können. Es gibt also keine menschliche Erschütterung, die so groß ist, dass Jesus uns nicht helfen kann.

Das ist die gute Botschaft: Jesus ist da in deiner Not. Jesus hilft dir in deiner Not. Jesus kennt einen Weg in deiner Not, um sie zu lösen.

Für Thomas hat die Extralektion mit Jesus Klarheit gebracht, er konnte wieder glauben und bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“

Du kannst also etwas lernen vom Umgang Jesu mit Thomas: Mit deinen Zweifeln, Sorgen und Nöten darfst du zu Jesus kommen. Praktisch angewandt meint das, alles im Gebet vor Jesus aussprechen. Alles, was dein Herz bedrückt. Du kannst auf seine Hilfe vertrauen. Das lässt auch dich im Glauben froh werden, damit du so wie Thomas bekennen kannst: Jesus ist mein Herr und Gott. Amen!

Ich wünsche ein gesegnetes Wochenende

Inge Clausonet

Müncheberg, 18.4.20


 

aufgeschlagene Bibel mit Stift

Liebe Freunde und Mitglieder der EFG Buckow-Müncheberg!

Seit Jahrhunderten singen Christen an Ostern das Lied: „Christ ist erstanden von der Marter alle, des sollen wir alle fröhlich sein, Christ soll unser Trost sein, Kyrieleis. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ, Kyrieleis.“

Ein Freudengesang aus Passau um 1090 nach Chr. Es sind also schon sehr viele Jahre, dass Christen an Ostern jubeln über die Auferstehung Jesu. In diesem Jahr überwiegend zu Hause und nicht in unseren Gottesdiensträumen. Eine Krise zwingt uns zum Innehalten und Umdenken. Ähnliches mögen die Frauen empfunden haben in Jerusalem, als sie am Ostermorgen vor dem leeren Grab standen. Die Ereignisse zwangen auch sie zum Umdenken. Wo ist der Leichnam? Was kann ein Mensch denn denken, wenn er an ein Grab kommt, wo der Verstorbene, der in dieses Grab gelegt wurde, fehlt, weg ist? Ihre Gedanken kreisen und versuchen eine Erklärung zu finden. Könnten Leichenschänder am Werk gewesen sein? Menschlich gedacht. Die Worte eines Engels am Grab sollen die Gedanken der Grabbesucher in eine neue Richtung lenken. Sie werden durch ihn an die Aussagen Jesu erinnert: „er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Mindestens einen Menschen kannten die Grabbesucher, der tot war und durch Jesus ins Leben zurück kam, Lazarus. Jesus selbst hat ihnen dieses Beispiel gegeben. Allerdings scheint der Anblick des leeren Grabes ihre Gedanken und ihre Gefühle so durcheinander gebracht zu haben, dass sie nicht mehr in der Lage waren logisch zu denken und sich zu erinnern.

Würde es uns anders ergehen? Ich denke nicht. Die Situation war so unvorstellbar, dass der Menschenverstand nicht mehr klar denken konnte. Was für ein gnädiges Handeln Gottes, den so verunsicherten Menschen am Grab einen Engel zu schicken. Was für ein Glück, dass der auferstandene Jesus sich ihnen selbst zeigte und sie den Herrn erkannten. Welch Ausdruck der Liebe waren all die Naturereignisse am Ostermorgen. Die durch die Erlebnisse jener Tage verängstigten und verunsicherten Menschen fassten neuen Mut. Sie erkannten: Ja, der Herr ist auferstanden! Das ist auch für uns heute ein Mutmachbeispiel. Nicht nur die Menschen damals wurden von Jesus getröstet, auch wir werden von dem Auferstandenen getröstet in den Krisen unseres Lebens. Er begegnet uns so, dass unsere Sinne und unsere Seele den Auferstandenen erkennen. Der Glaube an die Auferstehung ist das „Einstellungsmerkmal“ für jeden Christen! Auferstehung ist ein Glaubensgeheimnis und dem zugänglich, der glaubt. Verstehensfragen in dieser Sache entspringen unserem menschlichen Denken. Im Umgang mit Gott muss das allerdings kapitulieren. Wir können Handeln Gottes nicht im Ganzen verstehen oder erklären. Die Bibel lehrt uns den Weg des Glaubens. So wird uns das Geheimnis der Auferstehung zugänglich und wir entdecken: Der Auferstandene liebt uns, hat uns die Chance auf ein Leben unter neuem Vorzeichen erkauft durch sein Leiden und Sterben auf Golgatha. So lade ich ein, dem Geheimnis der Auferstehung zu glauben und die Güte unseres Gottes im eigenen Leben zu erfahren.

Ich wünsche allen gesegnete Osterfeiertage und bleibt gesund.

Liebe Grüße

Inge Clausonet

Müncheberg, den 11.4.20

hier sind die Bibeltexte: Matthäus 27,62-66 und Matthäus 28,1-10


 

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde der EFG Buckow- Müncheberg!

Am Karfreitag 2020 sitzen wir nicht wie in den letzten Jahren im Gottesdienstraum und feiern miteinander das Abendmahl und erinnern an das Leiden und Sterben Jesu. Dieses Jahr ist alles anders – zumindest äußerlich. Unser Glaube an Jesus Christus wird durch die Pandemieerlasse nicht beeinträchtigt. Er trägt und hält uns in diesen ungewöhnlichen Tagen. Gibt Kraft und Mut für all die Herausforderungen unserer Zeit.

In diesem Jahr möchte ich mit Euch eine Predigt zu Karfreitag teilen, die sich seit den 80er Jahren in meinen Unterlagen befindet und mir immer wieder zum Segen wird. Sie stammt aus einem Lesegottesdienst von 1987 und ist von einem Pfarrer Zademach. Den Bibeltext findet ihr hier: Lukas 23, 33-49.

Sorgfältig und bis ins Detail schildert der Evangelist Lukas die Kreuzigung Jesu. In seiner Fülle mag dieser Bericht manch einem etwas erdrückend erscheinen. Deshalb ist es wohl angebracht, diese dramatische Geschichte ein wenig aufzuschlüsseln und damit überschaubarer zu machen. Am besten eignen sich dazu vielleicht die drei Sätze, die Jesus selber spricht:

„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Vergebung in dieser Situation, Vergebung diesen Unmenschen für ihre Untaten! Rein menschlich gesehen übersteigt das bei weitem unsere Vorstellungskraft. Dieses Wort von der Vergebung ist ja an alle die gerichtet, die zur Verurteilung beigetragen haben. Es gilt den Hohenpriestern und den Oberen der Juden, die das Volk aufgeheizt hatten. Es gilt dem König Herodes, vor dem Jesus geschwiegen hatte; als Zeichen seiner Verachtung und Verspottung hatte Herodes Jesus ein weißes Kleid – den nationaljüdischen Königsornat – anlegen lassen und ihn zu Pilatus zurück geschickt. Das Wort von der Vergebung gilt dem Statthalter Pontius Pilatus, der schließlich doch das Todesurteil sprach, weil er dem Druck des jüdischen Hohen Rates und dem Geschrei der Volksmassen nicht länger widerstehen konnte. Diese Vergebung gilt auch den Kriegsknechten, die Jesus mit zwei Schwerverbrechern zum Hügel Golgatha gebracht hatten. Mit wenigen Worten schildert Lukas die Kreuzigung Jesu und der beiden Übeltäter. Hier fällt das Wort: „ Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Dieses große, für uns eigentlich unfassbare Wort von der Vergebung steht nun über alledem, was jetzt um den Gekreuzigten herum geschieht. Die Kriegsknechte verteilen Jesu Kleider untereinander; sie verlosen sie und würfeln darum. Grausamer Spott liegt in all diesen Einzelheiten; er gipfelt in dem Satz: ER, der Christus möge sich doch bitte selbst helfen. Auch die Inschrift auf der Tafel am Kreuz ist im Grunde ja eisiger Hohn: „Jesus, der Nazarener, König der Juden.“ Denn Jesus hatte ja nicht wie ein König geherrscht mit Macht und Härte, mit Glanz und Prunk; seine „Insignien“ waren ja Liebe, Barmherzigkeit und Leiden.

Mitten in der verwirrenden Vielfalt dieses Geschehens steht ein kleiner Satz: „Und das Volk stand und sah zu.“ Auch der umstehenden Menge gilt das Wort von der Vergebung. Zum Schluss vollendet Jesus, was er Zeit seines Lebens getan hatte. Wie oft hat Jesus dieses Wort gesprochen! Dem Gichtbrüchigen sagte er: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Der großen Sünderin ruft er tröstend zu: „ Dir sind deine Sünden vergeben, gehe hin in Frieden!“ Dieses Wort von der Vergebung gilt auch uns. Auch wir gehören ja wohl zu dem Volk der umstehenden Zuschauer. Aber wehe uns, wenn wir nur umher stehen und zuschauen! Dieses Wort von der Vergebung gilt uns wirklich: es will uns treffen und auf uns einwirken. Einwirken, so wie Jesus es uns im Vater unser gelehrt hat: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. “Mögen wir unter dem Kreuz innehalten und ein jeder für sich nachdenken, ob er schuldig geworden ist, damit er Vergebung erfährt und anderen vergeben kann.

„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“

Dieses zweite Wort des Gekreuzigten führt die Linie der Vergebung geradewegs weiter bis zu ihrem Zielpunkt.

Christus hängt ja mitten zwischen zwei Verbrechern, zwei Schächern, also wohl Mördern. Der eine stimmt ein in die Lästerungen, die Jesus über sich ergehen lassen muss. Er fragt ihn: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ Diese Frage des ersten Verbrechers ist sicher nicht erfunden; sie spiegelt vielmehr den geradezu anmaßenden menschlichen Starrsinn wider, der selbst in der Stunde des Todes nichts von Gott wissen will.

Der zweite Verbrecher weist ihn zurecht mit der Frage: „Fürchtest du dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und wir sind mit Recht darin, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts unrechtes getan.“ Und er spricht weiter: „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!“ Und da bekommt er die Antwort:“ Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Das Geheimnisvolle an diesem Satz liegt in dem Wort „Heute“. Dieses „Heute“ bezeichnet ja wohl mehr als das, was wir gemeinhin mit „sogleich“, „sofort“ oder „jetzt“ auszudrücken versuchen. Was hier gemeint ist, das lässt sich vielleicht bezeichnen als die „Gegenwart der Ewigkeit“. Es ist ein Zeitbegriff aus dem Blickwinkel Gottes. Er erklärt die Vergangenheit für überwunden und verweist auf eine schon anbrechende Zukunft, in der etwas ganz Neues geschehen wird: Das Zusammensein mit Jesus.

Jesus verheißt dem Schächer das, was er uns -wiederum im Vaterunser- zu glauben, hoffen und bitten gelehrt hat: „Dein Reich komme!“ Auf uns kommt die Erneuerung der Welt zu, in der wir mit Jesus in Gemeinschaft leben. Der Apostel Paulus drückt das so aus: Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“

Und ganz einfach: „Wir werden bei dem Herrn sein allezeit.“ Ganz intuitiv hat das der große holländische Maler Rembrandt wohl richtig empfunden und dargestellt. In einer Kreuzigungsszene verbleibt der höhnende Missetäter in einem  kaum aufgegliederten Dunkel. Auf den anderen Schächer lässt er dagegen einen hellen Strahl überirdischen Lichtes fallen. Rembrandt hat erkannt und gespürt, wie nahe hier Tod und Auferstehung beieinander liegen.

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Das letzte Wort, das Jesus vom Kreuz herab spricht, ist das des sterbenden Christus. Es wird begleitet von merkwürdigen Zeichen; sie sollen wohl die Betroffenheit nicht nur der Menschen, sondern auch der ganzen Natur, ja des Kosmos, von diesem Ereignis zu Ausdruck bringen.

Dieses Wort ist ein Gebet und stammt ursprünglich aus dem 31. Psalm. Jesus betet also in seiner Sterbestunde ein Psalmwort Es ist all denen bekannt und vertraut, die in der Tradition des jüdischen Volkes leben, dem ja auch Jesus angehört. Dieses Gebet zeugt von einem uneingeschränkten Vertrauen zu dem, an den diese Worte gerichtet sind. Deshalb ist dieses Gebet auch kein Hilfeschrei, lein letzter Versuch längst Beschlossenes  wenn möglich doch noch zu vermeiden, sondern dieses Gebet schließt ein volles Ja auch zu diesem letzten Weg ein, der  ihm vorgegeben und bestimmt ist.

Die Kunst des Sterbens beherrscht wohl nur derjenige, der wie Jesus um dieses letzte Ziel des Lebens weiß, das sich in dem einen Wort „Vater“ artikuliert. „Vater“ ist das Schlüsselwort des Lebens und Sterbens Jesu. Diese ganz persönliche Bindung ist unauflösbar. Der Sohn hat den Willen des Vaters gehorsam erfüllt; jetzt muss sich das Vertrauen, das er ihm stets und in allem entgegengebracht hat, auch in der Sterbestunde bewähren.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis, der mit jenem seltsamen Wort begann, das der zwölfjährige Jesus im Tempel spricht: „Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?“ Und hält nicht derselbe Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern von Emmaus vor: „Musste nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen?“ Das ganze Leben und Leiden Jesu ist durchdrungen von diesem göttlichen „Muss“, dessen Geheimnis wir mit unserem Verstand nicht erfassen können.

Mit diesem Gebet legt Jesus seine ganze Existenz in die Hände dessen zurück, dem er alles verdankte. Ebenso wie das Wort der Vergebung an den Schächer lässt auch die Gebetshaltung und diese Gebetsrichtung bereits etwas davon ahnen, wie durch alle Schrecken des Kreuzes neue Hoffnung aufleuchtet. Über dem Ort schmählichster Erniedrigung liegt der Glanz neuer und dann unumstößlicher Erhöhung. Gottes Sohn kehrt heim zum Vater.

Die Grenze zwischen Karfreitag und Ostern scheint hier nahezu überschritten. Die unheile Welt ist nicht Gottes Wille, sondern sie wird abgelöst in einem neuen Schöpfungsakt durch eine heile Welt, die der Auferstandene am dritten Tag den Ängstlichen, Zagenden, Trauernden, aber auch Zweiflern und Spöttern  bezeugen wird. Diese Spannung zwischen Karfreitag und Ostern gilt es auszuhalten: im persönlichen Leben wie auch in der Verantwortung für die Welt, in der wir leben. Diese Spannung lässt sich aushalten im Gebet und Aufblick zu dem, der auch in der dunkelsten Stunde die Kraft hatte, sich ganz der Geborgenheit des Vaters anzuvertrauen. Amen!

Ich wünsche allen einen gesegneten Karfreitag und bleibt gesund.

Liebe Grüße

Inge Clausonet

Müncheberg, den 9.4.20


 

 

Liebe Mitglieder und Freunde der Evangelisch – Freikirchlichen Gemeinde Buckow – Müncheberg!

Morgen ist Palmsonntag, der Sonntag vor Ostern!

Bis heute habe ich eine lebendige Erinnerung an ein Brauchtum aus Kindertagen zu Palmsonntag. Bestimmt eine Woche bastelten wir fünf Geschwister mit Unterstützung unserer Großeltern und Eltern an einem „Palmen“ zu diesem Tag. Dieser „Palmen“ war kein abgeschnittenes Blatt einer Palme sondern eine geschmückte Tannenbaumspitze, die an eine etwa acht Meter lange Holzstange montiert wurde. Die Zweige wurden kunstvoll gebogen und mit bunten Bändern geschmückt. Zum Schmuck gehörte ein aus Holz gearbeitetes Lamm, das Symbol für Jesus, dem Lamm Gottes. Sowie das Christusmonogramm IHS.

Sonntag früh ist das fertige Schmuckstück an zwei Fahrräder gebunden worden und fünf Kilometer bis zur Kirche, mit viel Kraft, immer bergauf, geschoben worden. Am Ziel fand es, zwischen vielen anderen „Palmen“, im Kirchhof seinen Platz.

Während des Gottesdienstes wurde einer der Evangelien-Texte, vom Einzug Jesu in Jerusalem gelesen. An der Stelle, wo von der jubelnden Menschenmenge berichtet wird, wünschte ich mir als Kind, dabei gewesen zu sein, damals in Jerusalem. Rückblickend ist mir dieses Brauchtum ein Krückstock auf meinem Weg zu Jesus gewesen.

Jetzt der Evangelien-Text aus Markus 11,1-11, Jesu Einzug in Jerusalem

111 Als sie nicht mehr weit von Jerusalem entfernt waren, kurz vor Betfage und Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus. 

2 Er gab ihnen folgende Anweisung: »Geht in das Dorf, das ihr vor euch seht. Gleich beim Ortseingang werdet ihr einen Esel finden, der angebunden ist, ein junges Tier, auf dem noch nie ein Mensch geritten ist. Bindet es los und bringt es her. 

3 Und sollte euch jemand fragen, warum ihr das tut, dann antwortet: ›Der Herr braucht das Tier; er wird es nachher sofort wieder zurückbringen lassen.‹«

4 Die beiden machten sich auf den Weg und fanden tatsächlich draußen auf der Gasse einen jungen Esel an einem Tor angebunden. Als sie ihn losmachten, 

5 fragten einige, die dort standen: »Was tut ihr da? Warum bindet ihr das Tier los?« 

6 Sie antworteten so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und man ließ sie gewähren.

7 Sie brachten den Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel über das Tier, und er setzte sich darauf. 

8 Viele breiteten ihre Mäntel auf dem Weg aus; andere hieben auf den Feldern Zweige von den Bäumen ab und legten sie auf den Weg. 

9 Vor und hinter Jesus drängten sich die Menschen und riefen: »Gepriesen sei Gott! ›Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt!‹ 

10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das ´nun` kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!« 

11 So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel und sah sich dort alles an. Dann kehrte er, da es inzwischen spät geworden war, mit den Zwölf nach Betanien zurück.

Nach der Salbung Jesu in Betanien ist der Einzug in Jerusalem ein zweites Ereignis, bei dem die Person Jesus im Mittelpunkt steht. Wie einem König wird ihm gehuldigt und er lässt es geschehen. Fast befremdlich, da in den allermeisten Berichten der Evangelien Jesus Menschen, die Hilfe nötig haben, ins Zentrum des Geschehens rückt. An dieser Stelle gewährt der Geist Gottes der Jüngerschaft einen Blick auf die Gottheit Jesu.

„Gepriesen sei Gott!

Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt!

Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt!

Gepriesen sei Gott in der Höhe!“

Mit diesen Worten huldigten sie ihm. Alle, auch die Schriftgelehrten und Pharisäer, die Jesus nach dem Leben trachteten, mussten es noch einmal hören, Jesus ist nicht nur Rabbi und Prophet. Er ist die Verheißung des himmlischen Vaters, der Mensch gewordene Sohn Gottes. Der Messias, der gekommen ist, um sein Volk zu erlösen. Der Heiland für alle Menschen, die Erlösung von ihren Sünden suchen.

Ob die Gefolgschaft Jesu die Bedeutung ihrer Huldigungsrufe verstand, ist nicht zu erkennen. Die Bibelkundigen Pharisäer und Schriftgelehrten hingegen wussten um die Verheißungen und Prophetien der Heiligen Schriften. Sie kannten die zitierten Psalm-Worte. Allerdings verfolgten sie ein anderes Ziel. Mit einer „List“(Markus 14,1+2) wollten sie Jesus gefangen nehmen. Für sie wiegelte er das Volk auf und störte ihre religiöse Ordnung. Sie fühlten sich von ihm in Frage gestellt. Das wollten sie sich nicht gefallen lassen und wehrten sich mit allen Mitteln dagegen, auch mit unfairen. Diese frommen Menschen machen das Wesen der Sünde zum Maßstab ihres Denkens und Handelns. Gedanken, dass ihre Meinung falsch sein könnte, lassen sie nicht zu. Die Bibel spricht in dem Fall von einem Herzen aus Stein. Sie haben einen von der Sünde verstellten Blick. Hier sind es Menschen, die die Bibel kennen, die Böses suchen. Ein erschreckender Gedanke, mit so einem verhärteten Herz zu leben. Das Reden des Geistes Gottes findet kein Gehör mehr.

Was sie alle nicht denken konnten, Gottes Heilshandeln für uns Menschen, konnten ihre bösen Gedanken und Taten nicht beeinflussen. Karfreitag und Ostern sind nur einen Steinwurf weit weg!

Ich möchte diesen Brief mit einem Gebet von Dietrich Bonhoeffer schließen:

Barmherziger Gott
vergib mir alles, was ich an dir
und an Menschen gesündigt habe.
Ich traue deiner Gnade
und gebe mein Leben ganz in deine Hand.
mache du mit mir,
wie es dir gefällt und wie es gut für mich ist.

Ob ich lebe oder sterbe,
ich bin bei dir und du bist bei mir, mein Gott.
Herr, ich warte auf Dein Reich und Dein Heil.
Amen!

Noch ein Tipp für einen besonderen Ostergottesdienst:

Bundesgottesdienst zu Ostersonntag

Live-Stream aus der EFG Berlin-Schöneberg

Dieses Jahr können wegen der Coronakrise keine Ostergottesdienste stattfinden, zu denen Gemeinden in ihren Gemeindehäusern zusammenkommen. Es ist eine besondere Zeit. An Ostern, am höchsten Feiertag der Christenheit, lädt der BEFG zu einem Bundes-Videogottesdienst ein, der aus der EFG Berlin-Schöneberg gestreamt werden soll. Pastorin Dagmar Wegener, BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba werden diesen Gottesdienst gemeinsam gestalten. Alle sind herzlich eingeladen, Bundesgemeinschaft zu erleben: am 12. April ab 11:00 Uhr. Zu Ostern soll gemeinsam gefeiert werden, dass die größte Krise, der Tod, bereits überwunden wurde. Neben der Osterpredigt werden unterschiedliche Personen in einem Interview über ihre Hoffnung berichten. Und auch im Vorfeld wurden bereits Personen aus dem Bund gefragt, wie sie Gemeinschaft in dieser besonderen Zeit gestalten und welche Ideen sie ausprobiert haben.

Wir haben als Bundesgemeinschaft die Möglichkeit ALLE an einem Gottesdienst teilzunehmen!

Liebe Grüße und ein gesegnetes Wochenende.

Inge Clausonet

Müncheberg, den 4.4.20